It's all about coffee

Kaffee gehört für mich am Morgen einfach dazu. Wie für viele von Euch auch. Meiner ist groß, mit ganz viel geschäumter Milch, und – Ohren zuhalten – Zucker. Am Wochenende am liebsten noch im Bett.

Kaffee ist inzwischen nicht mehr nur Frühstücks- und Nachmittagsgetränk, sondern ein Lifestyle-Statement. Die Vielfalt an Espressomaschinen, die Küchen und Bars zieren ist ebenso groß wie das Angebot an Varianten, in denen der Kaffee heute in den Cafés und Bars serviert wird. Also alles schick? Hmm … In einem Artikel im Magazin ‚Der Spiegel‘ bin dazu ich über  ein paar Fakten gestolpert, die ich hier für Euch zusammenfasse: (den vollständigen Artikel: „Die Billionen-Bohne“ könnt Ihr im Spiegel 38 / 2017 nachlesen oder über Spiegel online – Spiegel plus)

 

1. Hungerlöhne und verdeckte Kinderarbeit

Ein Beispiel aus Guatemala wird genannt: der Tageslohn einer Pflückerin liegt größtenteils unter dem Mindestlohn von 10 Euro am Tag. Abgerechnet wird nach tatsächlich gepflückter Menge und ist meist nur zu erreichen, wenn die Kinder ihren Eltern beim Pflücken helfen. Offiziell ist Kinderarbeit in Guatemala verboten, die Kinder auf den Farmen wollen lediglich bei ihren Eltern sein …

2. Niedrige Weltmarktpreise und Kaffeeprotektionismus

Die Preise für Rohkaffee sind sehr niedrig. Erst durch das Rösten wird aus einem preiswerten Rohstoff ein teures Konsumprodukt, findet die eigentliche Wertschöpfung statt. Beispiel: Brasilien erzielt als größter Exporteur von Rohkaffee pro Kilo ungefähr 2,70 Dollar. Deutschland als größte Exporteur von geröstetem Kaffee dagegen pro Kilo um die 6 Dollar. Die EU schützt dabei ihre Kaffeeindustrie – auf importierten Röstkaffee wird für viele Anbauländer Zoll fällig, außer es gibt entsprechende Handelsabkommen. Rohkaffee dagegen kann zollfrei eingeführt werden.

3. Aluminiumkapseln und die Umwelt

Allein in Deutschland verkauft Nespresso über zwei Milliarden Kapseln pro Jahr. Aluminium ist in der Herstellung extrem energieaufwändig. Um aus dem Ausgangsstoff Bauxit 1kg Aluminium zu gewinnen, werden 14 Kilowatt elektrische Energie benötigt. Das bedeutet, daß bei der Stromerzeugung ca 8,4 kg CO2 freigesetzt werden. Bei einem Gewicht von knapp einem Gramm pro Kapsel und der oben genannten Verbrauchsmemge fällt zudem eine erhebliche Menge Müll an, die vermieden werden könne. Ein Recycling über das Duale System ist in Deutschland zwar möglich, aber wird das flächendeckend gemacht?

4. Und Fairtrade?

Erst mal hört sich alles gut an: Fairtrade zahlt zusätzlich zum Weltmarktpreis eine Prämie von 20 US-Cent für 454g Kaffee. Plus Mindestpreisgarantie von 1,40 USDollar für 500g Kaffee, wenn der Weltmarktpreis darunter liegt. Plus Aufschläge für besondere Qualitäten oder Biokaffee. Trotzdem kommt ein Kaffeebauer auf kaum mehr als um die 2,40 US Dollar pro Pfund. Grund: es wird mehr Kaffee nach Fairtrade zertifiziert hergestellt als später wirklich als Fairtrade verkauft wird. Wenn z.B. die Qualität den Einkäufern trotzdem nicht genügt oder die verfügbare Geschmacksnote nicht ins aktuelle Sortiment passt. Fairtrade Deutschland hat ein Statement zu diesem Artikel abgegeben, das findet Ihr hier. 

 

Also auf Kaffee verzichten? Nein – aber beim Einkaufen ein bisschen aufmerksamer sein.

Beispiele:

  1. nuru coffee
    nuru coffee wurde 2016 von uns Geschwistern Sara und Sali gegründet. Aufgrund ihrer äthiopischen Wurzeln beziehen sie den Kaffee ausschließlich von Kleinbauernkooperativen aus Äthiopien. Dank der idealen Anbauhöhe mit Temperaturen von 18  bis 22 Celsius zählt Äthiopien zu den attraktivsten Kaffeeanbau-Gebieten der Welt.  Geröstet wird der Kaffee im Trommelröster hier in Berlin und wird in einer aluminiumfreien Verpackung geliefert. Das Plus: nuru coffee setzt sich für die Frauen vor Ort ein: mit jeder nuruCoffee Packung werden Frauenprojekte in Äthiopien gefördert.  Durch Schulungen, Trainingskurse und Mikrokredite werden die Frauen dabei unterstützt  eine selbstbestimmte und unabhängige Existenz aufzubauen. Mehr Infos hier.
  2. Kaffee-Kooperative
    Auch hier kommt der Kaffee aus Afrika, und zwar aus Ruanda. Und auch hier ermöglichen die guten natürlichen Bedingungen mit fruchtbarem Boden und ausgeglichenem Klima die Ernte von Spitzenkaffees, und auch hier liegt der Kaffeeanbau in den Händen von Kleinbauernkooperativen. Jedoch wird der Kaffee hier nicht nur geerntet, sondern auch weiterverarbeitet. Mehrere Kooperativen gründeten zusammen das Unternehmen „Rwashoscco“, das sich um die Röstung, die Verpackung und den Export des Kaffees kümmert. Die Kaffeebäuerinnen und -bauern haben also die gesamte Herstellungskette wie auch die Wertschöpfung in ihrer Hand und sind somit nicht von Landbesitzern oder Kaffeemultis abhängig. Mehr Infos und die Möglichkeit, eine Geschmacksprobe zu bestellen hier.
  3. Solino Kaffee
    Auch dieser Kaffee kommt aus Afrika, und zwar wieder aus Äthiopien. Nach dem Prinzip „trade – not aid“ bleibt auch hier die gesamte Wertschöpfungskette vor Ort. Durch die gebündelte Produktion im Land entstehen neue und qualifizierte Arbeitsplätze. Bekommen kann man Solino Coffee über den online-shop, oft auch in den Lebensmittelabteilungen von Karstadt, in den meisten großen Läden von Edeka Südwest und Südbayern und teilweise in Hamburg. Mehr Infos gibt es hier.

Dies sind drei Beispiele, es gibt noch mehr. Diesen drei hier vorgestellten Kaffeeanbietern ist gemeinsam, daß sie einen geschmacklich sehr hochwertigen Kaffee anbieten. Welcher davon das Zeug zum persönlichen Lieblingskaffee hat, ist jedem Einzelnen überlassen. Aber auch die Liebhaber und Besitzer von Kapselmaschinen brauchen kein schlechtes Gewissen zu haben: Die Ethical Coffee Company bietet ihren Kaffee in biologisch abbaubaren Kapseln aus überwiegend pflanzlichen Rohstoffen an. Die Sortenauswahl ist groß, aber nicht alle sind Fairtrade. Mehr Infos hier. 

 

Zum Abschluss noch ein schönes Beispiel aus Brasilien, welches zeigt, daß aus Nespressokapseln nicht immer nur Müll entsteht. Diese Kette habe ich mal in einem Museumsshop in Rio de Janeiro entdeckt. Sie ist aus alten Aluminiumkaffeekapseln hergestellt worden und ermöglicht so einer kleinen Kooperative etwas Geld zu verdienen. Ideen und Angebote für tollen Schmuck aus alten Kaffeekapseln finden sich zudem viele im net und den sozialen Medien.

 

 

 

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