La Parisienne - oder wie anstrengend ist effortless. Ein Blick auf die Stilregeln der Pariserin

Die Pariserin gilt nicht erst seit Coco Chanel als Inbegriff von Stil und Eleganz. Viele Stilikonen, angefangen bei Coco Chanel über Brigitte Bardot und Jane Birkin bis hin zu Charlotte Gainsbourg, Caroline de Maigret und natürlich Ines de la Fressange pflegen einen unprätentiösen Stil, welcher sich durch schlichte Eleganz und Natürlichkeit auszeichnet. Doch genau was macht diesen Stil aus? Was können wir vom Stil der Französinnen und Wahl-Pariserinnen lernen?

Diesen unprätentiösen Stil, schlichte lässige Eleganz gepaart mit Natürlichkeit, wird gemeinhin als ‚effortless‘ bezeichnet. Doch was bedeutet effortless denn nun genau?

Allgemein wird effortless übersetzt mit lässig und unangestrengt. Die Pariserin wirkt immer so, als ob sie am Morgen ohne sich auch nur einen Gedanken über ihr Aussehen gemacht zu haben, in den Kleiderhaufen neben ihrem Bett gegriffen, sich einmal Wasser ins Gesicht gespritzt und ein wenig mit Mascara und Lippgloss nachgeholfen und sich die Haare mal eben aufgeschüttelt hätte.

Oder anders gesagt: wenn bei mir am Morgen der Wecker zur frühen Unzeit klingelt (das Schicksal von Eltern mit schulpflichtigen Kindern), ich mir mal eben die Jeans neben meinem Bett angle, mir Wasser ins Gesicht spritze und die Haare ein bisschen aufschüttle, das Mascara noch nicht finde und der Einfachheit halber den Pulli von gestern und einen Mantel überwerfe, um meine Töchter zum Schulbus zu begleiten, dann ist das NICHT effortless, sondern in den Augen der Pariserin ein absolutes NO GO!

Effortless ist anstrengend, und zwar richtig anstrengend. Warum? Der unangestrengte Look ist wohlüberlegt, denn man darf alles, nur ihm die Anstrengung nicht ansehen. Basics werden jeden Tag mit Sorgfalt ausgesucht und mit kleinen Details aus den aktuellen Modetrends kombiniert. Schuhe und Handtasche sind „assorti“, also aufeinander abgestimmt, aber auf keinen Fall gleichfarbig. Dem natürlichen Look gingen viele Pflegeprodukte voraus, denn natürliches Aussehen bedeutet perfekt aber unsichtbar geschminkt zu sein. Wobei perfekt geschminkt zu sein nicht bedeutet, das Gesicht à la Americaine zuzuschminken. Haare werden auch nicht einfach nur aufgeschüttelt, sondern auf aufgeschüttelt gestylt. Das ist ein großer Unterschied. Goldene Regel: No bad hair days! Never!

Nun habe ich fünf Jahre in der französischen Hauptstadt gelebt und in dieser Zeit doch einige Französinnen kennengelernt. Ein Satz habe ich dabei noch lebhaft in Erinnerung: „dès que je m’étais reveillée, j’étais déjà en retard“, also ungefähr: schon als ich aufgewacht bin, war ich zu spät. Vielleicht liegt darin die gewisse Hektik begründet, mit der sich die Pariserin durch die Stadt bewegt? Immer gestresst, immer zu spät, aber immer mit einem Auge an den Schaufensterauslagen. Auch wenn sie sich keinem Modediktat unterwirft, neue Trends nicht zu kennen wäre grob fahrlässig.

Doch was genau zeichnet den Stil der Französinnen aus?

Ihr Stil beinhaltet eine gewisse Haltung, eine gewisse Extravaganz, einen gewissen Widerspruch. Die Pariserin fährt Fahrrad, aber niemals mit Helm oder Funktionsjacke. Sie kauft bio, lässt aber liefern. Sie liebt Understatement, aber keine halben Sachen. Schuhe sind entweder flach oder hoch, halbhohe Absätze gibt es nicht. Sie lebt immer voll und ganz. Die Jahreszeiten und die dazugehörige Mode gehen nach dem Kalender und nicht nach dem Wetter. Ab April ist Frühling und Sommer, die Schuhe öffnen sich und man zeigt Haut. Ab Oktober ist Herbst (einen richtigen Winter kennt Paris nur selten) und neue winterliche Modetrends werden in die Garderobe integriert. Die Pariserin ist schön in jedem Alter – mit Haltung und Stil und nicht, indem sie versucht, durch trendige Klamotten, Make-up und womöglich Botox jünger zu sein als sie ist. Die Pariserin liebt Stilbrüche und pflegt dadurch keinen perfekten, aber einen sehr individuellen Stil. Was können wir daraus lernen?

Die goldenen Stilregeln der Französinnen

  1. Die Basis muss stimmen. Ohne diese Teile geht es nun wirklich nicht: einen Trench, einen marineblauen Pulli, bevorzugt mit V-neck, ein bis zwei Blusen, bevorzugt Herrenhemden, ein „kleines Schwarzes“, Jeans, kurze Lederjacke, einen Parka, gut geschnittene und weich fließende T-shirts, sneakers, high heels, vorzugsweise ein Paar in schwarz und eines in nude. Schals und Tücher, Sonnenbrille, eine klassische Uhr. Diese Basisgarderobe ist in neutralen Farben zu halten (schwarz, dunkelblau, grau, beige, weiß), so passt alles zu allem und lässt sich mit jedem neuen Modetrend kombinieren. “ Une touche de couleur“, also ein auflockernder Farbeffekt darf immer sein, ein Schal, das klassische Carré oder ein knallroter Lippenstift.
  2. Die Pariserin liebt Stilbrüche. Dadurch kreiert sie keinen perfekten, sondern einen sehr individuellen Look, der ihren Chic auszeichnet. Beispiele: Schals und Tücher sind immer erlaubt, nur nicht bei der Abendgarderobe. Wem es im Cocktailkleid am Abend kühl wird, zieht einfach einen kleinen Wollpulli über, das ist schicker und individueller. No go: Stola und Bolero. Auch wenn ein Trench immer und zu allem passt: ein Parka über ein Kleid kreiert einen individuelleren Stil. Schals dürfen gerne auch zu zweit übereinander getragen werden. Mit einem Gürtel lässt sich fast alles aufpeppen – aber als Hosengürtel eignet sich besser ein Seidentuch.
    Die perfekten Stilbrüche: eine alten Jeans mit edlem Seidenhemd – schicke Business-Hose mit T-shirt statt Bluse – Abendkleid mit Pulli – Perlenketten immer nur zum lässigen look mit Jeans(hemd) oder T-shirt und NIE zum Abendkleid – zur Jeans besser schicke Sandalen oder high heels, sneakers oder bikerstiefel zum filigranen Kleid – zum Abendkleid eine Flechttasche, Designerclutch zur Jeans oder schwarzer slim – enge Röcke mit flachen Schuhe (Ballerinas) – Absätze zu Hosen, Gürtel um den Blazer – Seidentuch für die Hose
    Faustregel: weite Hose oder Rock – enges Oberteil. Enge Hose oder Rock – weiteres Oberteil.
  3. Schon seit Coco Chanel gilt: weniger ist mehr! „Bevor eine Lady das Haus verlässt, sollte sie in den Spiegel sehen und ein Accessoire abnehmen.“ Auch wenn man bzw frau ihren Schmuck liebt und ihn am liebsten immer bei sich tragen möchte, lieber nur ein oder zwei Teile pro Tag und wechseln. Regel: desto mehr Schmuck, desto feiner und unauffälliger. No go: auffällige Kette und große Ohrringe, das geht nur beim Weihnachtsbaum!
  4. In Klassiker investieren und diese hemmungslos mit streetstyle Fashion kombinieren, das vermeidet den total look, den nur geschmacklose Reiche zur Schau tragen. Dito für den total-logo-look, den hat die Pariserin gar nicht nötig.
  5. Essen immer geniessen! Keine Sportklamotten außerhalb eines Fitnessstudios!

Auf dem Bild seht Ihr Ausschnitte aus meinem „Lookbook“. Über dieses Lookbook erzähle ich in einem extra post mal mehr. Hier nur soviel: ich sammle dort Zeitungsausschnitte von Bildern, auf denen mir das Styling gut gefallen hat. Die hier abgebildeten Ausschnitte sind alles Beispiele für den Look der Pariserin. Wo man diesen Look auch als fair fashion finden kann, lest Ihr jetzt. Denn dies ist zwar ein blog über Stil, aber vor allem ein blog über faire Mode. Daher habe ich mal für Euch gestöbert, welche basics für eine French wardrobe man inzwischen als fair fashion finden kann. Die gute Nachricht: die meisten, wenn auch nicht immer im klassisch französischem Stil.

Hier meine Fundstücke:

Trench und Parka: einen wirklich klassischen Sommermantel gibt es bei Lanius.  LangerChen ist hier ebenfalls ein guter Tipp: den Coat Seymour habe ich selber und mag ihn wirklich sehr. Laut Angabe ist er wasserdicht – das konnte ich aber noch nicht überprüfen, dafür regnet es hier in Berlin einfach zu wenig. Aber er passt auf jeden Fall nach Paris – denn dort regnet es erheblich mehr. Der Parka Fairbanks hat das Zeug zum Klassiker. Beides aktuell im Sale. Chic finde ich außerdem den Milena Wrap Coat von People Tree, über Avocadostore.  Hier gibt es auch eine Version aus Leinen von NIX Design oder von Dyberg Larsen Practicals und  Maas Natur. Eine etwas längere Jacke von Fonnesbech ist auch sehr „Trench“. Der ganz klassische Trench der Pariserin ist von Burberry – nur liegt Burberry beim Thema Nachhaltigkeit maximal im Mittelfeld der Luxusmarken, die sich inzwischen mit dem Thema auseinandersetzen. Andererseits ist ein Trench von Burberry oftmals eine Beziehung fürs Leben – dank der hohen Qualität hält er lange und auch einiges aus.

Blazer: sehr schöne und klassische Blazer gibt es fair bei Stella McCartney. Zugegeben: die fallen eindeutig unter Punkt 4 der goldenen Stilregeln – Investition in Klassiker – und sind prädestiniert für ein Sale-Schnäppchen! Gibt es zum Beispiel über matchesfashion oder Farfetch oder direkt bei Stella McCartney im Onlineshop. Ein schönes Exemplar in schwarz ist der wunderwerk smoking blazer* . Die meisten Pariserinnen investieren einmal in einen Blazer von YSL (Herrenversion), welcher sie dann ein Leben lang begleitet und einfach nie aus der Mode kommt. Wer den Stylingtipp oben links ‚Blazer mit rotem Gürtel‘ genauso toll findet wie ich: den passenden Gürtel gibt es bei Alma & Lovis.

Kurze Lederjacke: hier sind wir wieder bei Lanius. Diese Jacke aus vegetabil gegerbtem Rhabarberleder und Baumwolle passt einfach immer. Die Jeansjacke feierte auch in Paris ihr Comeback – meine Lieblingsstücke findet ihr hier.

Blusen und Herrenhemden: mein absoluter Liebling: die Blouse Volume von Jan n June. Ein absoluter Klassiker der einfach allen steht und sich super kombinieren lässt. Ich habe sie mir selbst von einer Weile geleistet und von Schnitt und Material absolut begeistert! Tipp: fällt großzügig aus, mir passt Größe S sehr gut, obwohl ich sonst eher M trage. Wer es der Pariserin gleich tut und seine Hemden gerne im Herrensegment sucht, könnte bei brainshirt fündig werden.

T-shirts: der Klassiker bei der Pariserin sind die T-shirts von Majestic filatures. Meine Lieblings-T-shirts kennt Ihr aus dem New York post, Bamboo. Fündig wird man auch bei Lanius – ich besitze dieses mit 3/4 langen Ärmeln und das Material ist super angenehm.

Klassische Hosen, zu denen frau das T-shirt kombinieren kann (Beispiele): Jan n June und Ekyog.

Über das „Kleine Schwarze“ und die perfekte Jeans gibt es demnächst einen eigenen post.

Bei fairen Schuhen ist die Auswahl an wirklich schicken Exemplaren immer noch nicht so groß. Diese beiden Paare habe ich bei Wills London gefunden, einmal Pumps, zweifarbig (Coco Chanel lässt grüßen), praktisch in schwarz und nude, und einmal klassische Ballerinas, gibt es in schwarz oder nude. Eine klassische high heel Stiefelette gibt es bei Maiyet*. Für Sandalen oder „nu pieds“ kann es nur eine Empfehlung geben: die legendären Tropeziennes, die schon seit über 90 Jahren in St. Tropez handgefertigt werden und schon die Füße von Brigitte Bardot zierten.

Der blaue V-Pulli, den die echte Pariserin am liebsten in cashmere trägt: meiner ist von Eric Bompard, ein französischer Klassiker in absolut guter Qualität. Über die Nachhaltigkeit von Eric Bompard kann ich Euch leider keine Auskunft geben. Eine faire Alternative* habe ich bei ftc cashmere gefunden, ein weiteres Modell mit rundem Ausschnitt* oder in in grau (Neyo Fashion).

Ein Klassiker, der in keinem Kleiderschrank der Pariserin fehlt: das Marinière. Ganz klassisch in blau- den link findet Ihr in dem Paris post, eine Alternative in rot – gibt es wiederum bei Neyo Fashion.

Was ebenso fast jede Pariserin besitzt: die cabas von Vanessa Bruno*: diese eignen sich gleichfalls als Handtasche wie auch für Laptop & Co, Shopper oder Einkaufstasche für den Markt. Ich packe auf meinen Streifzügen durch die Stadt sogar meine große Kamera hinein, so ist sie immer griffbereit ohne die ganze Zeit um meinen Hals zu baumeln.

Hier ein paar Modelle aus der aktuellen Kollektion:
Vanessa Bruno-Cabas paillettes toile Porté main M - Handtaschen /schwarz
Vanessa Bruno-Cabas Lin paillettes M+ - Handtaschen /grünVanessa Bruno-Cabas Lin paillettes XL - Handtaschen /beige

 

 

Schöne Korbtaschen um ein eleganteres Outfit aufzulockern gibt es bei Kayu*:

Kayu - Shopper Lilian aus SeegrasHandtaschen - KAYUHandtaschen - KAYUKayu - Pinata Tote Aus Stroh Mit Fransen Und Lederbesatz - Blau

 

*affiliates

 

Für alle, die gerne noch mehr über das Leben als Pariserin oder über ihren Style erfahren möchten, hier ein paar Literaturtipps:

 

 

 

 

Noch ein paar mehr Stylings der „Parisienne“ auf meiner Pinterest-Pinwand:

 

 

 

 

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