Sustainable shopping

Diese Woche ist wieder fashion revolution week, in Gedenken an die über 1100 Menschen, die am 24. April 2013 beim Einsturz des Rana Plaza Gebäudes in Bangladesh ihr Leben verloren. Die fashion revolution organization koordiniert die fashion revolution week in jedem Jahr mit einer Vielzahl von Veranstaltungen und Projekten. Leitmotiv ist dabei die Frage: #who made my clothes? Diese Frage sollten wir uns alle nicht nur in dieser Woche, sondern immer wieder stellen, und nicht nur uns, sondern diese Frage auch vermehrt in die Öffentlichkeit tragen, indem wir beim shoppen einfach mal nachfragen. Doch was ändert sich für uns, wenn wir fair shoppen?

Glücklicherweise ist seit damals etwas in Bewegung geraten, und immer mehr Labels und Hersteller können vermehrt Antworten auf diese Frage geben. Der fair fashion Markt wächst kontinuierlich, die Mode umfasst inzwischen die gesamte Bandbreite von stylisch, urban, chic, lässig, innovativ und absolut alltagstauglich, teilweise sogar redcarpet-tauglich, und das weit entfernt vom ehemaligen Kartoffelsackimage.

Doch was macht es manchmal so schwer, faire Mode einzukaufen?

Oft wird mir entgegnet, es gibt keine Marktübersicht, oder es ist zu aufwändig, sich zu informieren. Das war früher so. Inzwischen gibt es eine Vielzahl von nachhaltigen Modelabels und Onlineplattformen für sustainable fashion und lifestyleprodukte, eine große Anzahl an fair fashion blogs und Literatur über das Thema. Während der Fashion Week in Berlin findet nun schon seit über 10 Jahren die ethical fashion show und der green showroom statt. Boutiquen und Concept Stores ersetzen zunehmend die Eine-Welt-Läden. Es wird also einfacher – wenn man sich ein bisschen mit dem Thema beschäftigt, kennt man die labels, Läden und die besten Onlineshops schnell.  Allerdings, und dieses allerdings führt zu folgendem Dilemma:

Shopping verlagert sich ins Internet – lokal shoppen wird schwieriger

Oft höre ich, fair shoppen ist ja richtig und wichtig, aber ich kaufe nicht im Internet, ich möchte die lokalen Läden vor Ort stützen. Das kann ich gut verstehen. Auch ich schätze schöne individuelle Innenstädte mit Läden, die zum Bummeln einladen. Und auch ich finde bzw fände es besser, wenn nicht für jedes meiner Kleidungsstücke ein Laster durch die halbe Republik fährt. Aber hier muß man bzw frau wohl abwägen: wie wichtig ist mir persönlich, daß mit den Menschen, die meine Kleidung herstellen, respektvoll (und menschlich) umgegangen wird? Nach dem Film ‚The true cost‘ ist es mir sehr wichtig, darauf zu achten, unter welchen Bedingungen meine Kleidung hergestellt wird. Und da es immer mehr Menschen hier so geht wie mir, kommen wir vielleicht eines nahen Tages dahin, daß ein Umdenken in der gesamten Modeindustrie dazu führt, daß wir auch wieder mit gutem Gewissen lokal shoppen können. Bis dahin versuche ich, bewusster zu kaufen, überlegter, geplanter. Das führt dann zu diesem Dilemma:

Spontane „Lustkäufe“ werden schwer

Wer kennt das nicht, man läuft durch die Innenstadt, und plötzlich entdeckt frau in einem Schaufenster ein absolut schickes Teil. Liebe auf den ersten Blick – wenn man diesen Ausdruck auf Dinge anwenden möchte. Hier meine ich nicht Frustkäufe, also einen Laden betreten, um sich durch einen Kauf besser zu fühlen. Diese Frustkäufe werden meist keine Lieblingsstücke, sondern finden sich nach kurzem Trost in der hintersten Schrankecke wieder. Nein, ich meine die wirklich spontanen und ungeplanten Fundstücke, die dann zu jahrelangen Lieblingsstücken werden. Wenn so etwas denn nun mal passiert – und man sich sicher ist, daß wird ein Lieblingsstück, soll man bzw frau es sich gönnen? – wenn so ein Lieblingsstück uns viele Jahre Freude bereitet, leistet es ja auch einen Beitrag zu bewußterem Konsum, oder?

Ein anderes Dilemma: Es mischt sich

In immer mehr Boutiquen mischen sich zunehmend konventionelle Mode und fair fashion. Die Einkäufer ordern fair fashion, einfach weil sie die Kollektionen toll finden. Und das ist ja erstmal ein gutes Zeichen, daß faire Mode sich ihren Platz auch in konventionellen Boutiquen sichert. Andererseits führt das zu einem anderen Dilemma: ich war erstmal hocherfreut, als ich bei meinen Recherchen darauf gestossen bin, daß eine sehr schöne Boutique hier am Ort jetzt u.a. auch ein sehr schönes Fair Fashion Label führt. Also kann ich vor Ort, lokal, mit dem Fahrrad fair shoppen gehen. Perfekt, oder? Na ja, es ist trotzdem eine Herausforderung, vor dem Rest des sehr geschmackvollen konventionellen Angebots des Ladens die Augen zu verschließen …

Aber ich übe das. Auch wenn ich mich wiederhole, mir ist ein faires Miteinander, ein respektvoller Umgang mit den Menschen, die Kleidung herstellen, denen, die sie zu uns auf den Markt bringen, und uns, die wir die Kleidung kaufen und tragen, wichtig. Mir fällt es auch nicht schwer, ich bin weiblich, im mittleren Alter, meinen Stil kann mit mal urban-lässig, mal klassisch-chic beschrieben werden. Und hier gibt es für mich Auswahl genug. Etwas schwieriger wird es schon bei männlich im mittleren Alter, auch wenn die Fair Fashion Industrie bei dieser Zielgruppe mächtig aufholt. Die größte Herausforderung, vor der ich als Mutter oft kapitulieren muss, ist der Nachwuchs – in dem Alter, in dem sie keine Kleinkinder mehr sind, aber auch noch nicht in die kleinsten Erwachsenengrößen passen. Zudem in einem Tempo wachsen, daß jedes halbe Jahr neue Sachen gebraucht werden. Hier gibt es fast keine Angebote. Ich habe bei meinen Besuchen auf Messen immer mal wieder bei Anbietern von fairer (Klein)Kindermode nachgefragt: für diese Zielgruppe lohnt es sich nicht, die Nachfrage ist zu gering. Hier bleibt mir nur der Wunsch, daß sich auch das in Zukunft ändern wird.

Vor diesem Hintergrund und den ganzen Dilemmas schließe ich diesen post mit einem Zitat:

Buy less, choose well, make it last -Vivienne Westwood –

und ergänze:

Ask! #who made my clothes?

Zur Info und zur Vertiefung:

ZDF Doku November 2015: Gesichter der Armut

CBC News: made in Bangladesh

Marken, die sich „fair“ auf die Fahnen geschrieben haben und bei deren Kollektionen ich immer wieder schöne Teile finde sind z.B.

Filippa K und ACNE Studios für die „Klassiker“, Armed Angels für die Jeans und Oberteile, Miss Green für unkomplizierte Mode aus NL, Neyo für Urbanes aus Kashmir, Wunderwerk, Lanius. Und natürlich Veja für die sneakers, Good Society für die absolut gut sitzende Jeans, LangerChen für seine Parkas und Mäntel. Die meisten labels haben ihre eigenen Onlineshops. Ausgewählte Teile der aktuellen Kollektionen findet man immer auch hier:

Loveco Berlins größter Concept Store für Fair Trade Kleidung (Armed Angels, Good Society, LangerChen, Wunderwerk, People Tree, Miss Green, Lanius u.a.)

Wunderwerk*

Greenality – Online-Shop für Bio und Fair-Trade Kleidung* (Einzelteile von Veja, Lanius, People Tree, Jan’nJune, Good Society, LangerChen)

Avocadostore – online Marktplatz für Eco Fashion und Green LifestyleOnline Marktplatz für Eco Fashion und Green Lifestyle, sehr umfassend

Literatur zum Thema:*

*affiliated link

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