Gibt es die perfekte Jeans für jede Figur? Ein Überblick über Jeans-Passformen und Ratgeber für den Jeanskauf

Eine Jeans genügt meistens, um mich gut zu fühlen. Nach einem langen Arbeitstag im förmlicheren Outfit, am Abend in die Jeans. Ich liebe Kleider, aber nach ein paar Tagen brauche ich meine Jeans. Kein Week-end, kein Städtetrip, keine Reise ohne (m)eine Jeans. Ich schreibe hier immer von meiner Jeans, aber eigentlich sind es mehrere. Und Ihr kennt das bestimmt auch: der Kauf einer „perfekten“ Jeans ist manchmal ganz schön kompliziert. Welche Jeans-Passformen gibt es, welche Jeans passt und steht mir am Besten, wie trage ich welche Passform? Die perfekte Jeans für jede Frau und jede Figur – ein Überblick und ein Ratgeber.  Gut, es gibt diese Frauen, denen gefühlt einfach jede Jeans passt. Leider gehöre ich zu den vielen anderen … was tun? Auf jeden Fall nicht verzweifeln. Wenn frau auf ein paar Punkte achtet, findet jede Frau ihre perfekte Jeans.   Noch ein Wort: am Ende des Artikels nenne ich Euch Jeanslabels, die zu fairen Arbeits- und Umweltbedingungen produzieren und deren Jeans ich sehr mag. Aufgrund der Markennennung handelt es sich hier um Werbung. Affiliate links sind mit einem * extra gekennzeichnet.

Der richtige Schnitt

1. Bootcut – die steht jeder Frau

und ist damit sowas wie „das kleine Schwarze“ jeder Jeanssammlung. Ein Klassiker für alle Figurtypen. Kennzeichen: Bund und Oberschenkel sind schmal geschnitten, ab dem Knie oder erst Richtung Saum ist die Jeans leicht ausgestellt. Dadurch wirkt sie optisch beinverlängernd. Bootcut bedeutet wörtlich „Stiefelschnitt“ und praktisch, daß frau unter dieses Modell auch problemlos Stiefel tragen kann. Eine bootcut Jeans ist tragbar mit allem und zu allem. Stylingmöglichkeiten: nahezu unbegrenzt, daher die perfekte Begleiterin auch auf Reisen.

2. Straight cut / Straight fit

ist ebenfalls ein Klassiker, körperbetont, aber nicht zu weit oder zu eng. Kann auch sehr gut von kleinen Frauen getragen werden, da dieser Schnitt optisch in die Länge streckt. Kennzeichen: ein gerader Schnitt, nicht zu eng, nicht zu weit. Stylingmöglichkeiten: alles ist möglich, officetauglich mit Bluse oder T-shirt / Blazer, etwas mehr casual mit Cardigan und heels, Freizeittauglich und kuschelig mit Sneakers und Sweater und so weiter und so fort.

3. Slim fit und skinny

Schmal bzw. superschmal und extrem figurbetont geschnitten. Kennzeichen: Eine Slim fit Jeans hat dabei eine körperbetonte, schlanke Silhouette. Eine Skinny sitzt schon sehr enganliegend. Besitzen diese Jeans einen hohen Stretchanteil, können sie trotzdem sehr komfortabel sein. Welche Frauen können diese Jeans tragen? Kleinen oder zierlichen Frauen mit verhältnismäßig langen Beinen oder großen, schlanken Frauen stehen diese Jeans am besten. Sie wirken dadurch noch graziler. Die gute Nachricht: auch etwas molligere Frauen können schmale Jeans tragen, sollten sie aber besonders geschickt kombinieren. Sehr dünne Frauen sollten auf diesen Jeansschnitt lieber verzichten. Stylingmöglichkeiten: Faustregel 1: unten eng – oben weit. Daher stylt frau sehr schmale Jeans am besten mit Oversize-Oberteilen, weiten Hemden oder Blusen und Boyfriend-Blazern. Größere Frauen tragen dazu Overknees, flache Ballerinas oder Riemchensandalen. Zu kleineren Frauen passen besser High Heels – die schummeln noch ein paar Zentimeter dazu. Skinny Jeans passen je nach Outfit auch super zu Turnschuhen oder Ankle Boots. Aufpassen: ist die Jeans zu lang und liegt am Saum so auf, daß sich Falten bilden, sieht das nicht mehr gut aus. Absolutes No-Go: enge oder bauchfreie Tops zur Skinny Jeans. Das darf nur Barbie …

4. Boyfriend

Ein extrem lässiger Jeansschnitt. Kennzeichen: Die Jeans sitzt locker – die Beine sind gerade geschnitten oder werden nach unten zum Saum hin minimal schmäler. Das Gute daran: boyfriend Jeans sind durch ihren lässigen Schnitt super bequem und stehen gerade auch molligeren Frauen sehr gut! Jedoch aufpassen: Frauen mit kurzen, kräftigen Beinen sollten darauf achten, die Hosenbeine der Jeans immer bis zum Knöchel hochzukrempeln, das betont die schlanken Fesseln. Kombiniert mit spitzeren Heels oder wedges, wirken die Beine länger und die Figur insgesamt etwas schlanker. Sind die Oberschenkel sehr kräftig, darauf achten, daß „used“ Effekte nicht gerade auf dem Oberschenkel sitzen und die Waschung nicht zu hell ist. Stylingmöglichkeiten: lässig mit weißer Bluse, einer schlichten langen Kette und heels. Darauf achten, daß die Bluse vorne locker in die Hose gesteckt ist. Darüber passt eine kurze Jacke. Im Langenlook: lange schmale Bluse  über der Jeans tragen, kurzen Pulli darüber, Stiefeletten mit Absatz. Mit dickem Pulli kann frau die byofriend Jeans auch an kälteren Tagen tragen. Ist der Pulli sehr lang, vorne locker in die Jeans stecken. Im Winter wirkt ein klassischer langer Mantel über schlichtem Shirt und boyfriend Jeans viel eleganter als eine Winterjacke.

5. Flared Jeans

Auch bekannt als Schlaghose, der Stilikone der 70er. Seit ein paar Jahren erlebt sie ein Revival – und kommt entweder in einer leichten „Flared“ Version daher oder mit richtig Schlag. Kennzeichen: oben eng anliegend und ab dem Knie weit zur Schuhspitze hin auslaufend, zaubert sie schöne Formen in die Silhouette.  Dieser Schnitt hat seinen Charme, aber er verkürzt die Beine optisch. Daher gilt: eine Flared Jeans sollte nur von großen Frauen mit flachen Schuhen kombiniert werden, alle anderen tragen high heels dazu. Perfekt sind spitzere Stiefel mit hohen Absätzen. Durch den weiten Schnitt ist es auch kein Problem, die Stiefel unter der Hose zu tragen. Frauen mit relativ kurzen Beinen im Verhältnis zum Oberkörper entscheiden sich für einen hohen Bund. Stylingmöglichkeiten: wenn frau sich an diese Regel hält, sind dem Styling keine Grenzen mehr gesetzt. Kuschelige Pullis (nicht zu lang und weit), längere schmal geschnittene asymmetrische Langarmshirts. Fürs Büro darf es eine schmal geschnittene einfarbige Bluse mit Blazer sein. Mit einer nicht zu weiten und nicht zu langen Tunika kann man herrlich die 70er Jahre wieder aufleben lassen.

6. Die Culotte

Zur Zeit mächtig ‚in‘ ist die Culotte. Die gab es auch früher schon, da hieß sie noch Hosenrock. Kennzeichen: eine weite Hose, die höchstens bis zu den Knöcheln reicht und sich auf den ersten Blick nicht zwischen Rock und Hose unterscheidet. Stylingmöglichkeiten: auch hier gilt, vor allem auch für kleinere Frauen, Absätze sind Pflicht! Oft sehe ich eine Culotte auch mit flachen (Turn)Schuhen kombiniert. Das sieht nur bei Frauen mit sehr schlanken Fesseln gut aus, bei allen anderen wirkt das eher plump. Ansonsten gilt: ein festerer Jeansstoff, eventuell sogar mit Bügelfalten, streckt optisch ungemein. Fürs Styling gilt:  eine Culotte immer mit schmaleren kürzeren Oberteilen kombinieren. Das betont die Taille und wirkt sehr elegant. Wenn der Bereich der Taille zu den individuellen Problemzonen zählt, besser auf die Culotte verzichten.

Die richtige Bundhöhe:

High rise (High waist)

High rise oder auch high waist Hosen haben eine sehr hohe Taille. Das ist prima, sie betonen die Figur und lenken von kleinen Problemzonen ab. Aber aufgepasst: was vorne so schön funktioniert, kann auf der Rückseite im sprichwörtlichen Sinn nach hinten losgehen. Gerade bei sehr hohen Taillen muss frau der Rückansicht große Aufmerksamkeit schenken: ist der Po eher flach, sollten die Taschen mittig im oberen Bereich sein und vor allem nicht zu groß, damit sie den Po nicht völlig schlucken. Bei zu großem Po lieber ganz auf Taschen verzichten. Auch wenn High Waist Jeans die Taille betonen, ein kleines Bäuchlein kaschieren und optisch strecken, werden sie bei zuviel Bauch auf Dauer doch sehr unbequem. In diesem Fall lieber auf regular rise ausweichen. Stylingtipps: ein weiteres, in den Bund gestecktes Oberteil.

Regular rise (mittlere Leibhöhe)

Geht immer, passt immer. Kann einen Bauch verstecken, ohne unbequem zu werden.

Low rise (niedrige Leibhöhe)

Von einer niedrigen Leibhöhe spricht man, wenn der Jeansbund unter dem Bauchnabel aufhört. Dieser Jeansschnitt legt vorhandene Pölsterchen gnadenlos offen, außer man kombiniert die Jeans mit langen weiten Oberteilen .. aber dafür brauch ich wirklich keine Low waist Jeans. Also gut überlegen, am besten können diese schlanke und eher androgyne Frauentypen tragen. Low waist Jeans sind die beste Wahl, um kleine oder flache Pos in Szene zu setzen.

Die richtige Länge:

Auch nicht immer einfach. Gerade kleinere Frauen haben hier oft Probleme, nicht immer gibt es das gewünschte Jeansmodell in verschiedenen Längen. Trotzdem gilt: nicht umkrempeln ! Umgekrempelte Jeans lassen kleine Frauen noch kleiner wirken. Besser: kürzen lassen. Das gilt auch für Frauen zwischen zwei Längen: lieber länger nehmen und kürzen lassen als sich immer über den fehlenden Zentimeter ärgern …

Die richtige Rückansicht:

Eine Jeans soll vor allem auch hinten gut aussehen. Dazu ist es wichtig, daß die Taschen richtig sitzen. Faustregel: Po breiter – Taschen nicht so weit auseinander. Po schmaler: Taschen etwas weiter auseinander. Po runder: Taschen nicht zu groß und nicht zu klein. Po flacher: auf jeden Fall Jeans mit Gesäßtaschen tragen. Diese dürfen ruhig auffälliger gestaltet sein (nur nicht zu groß) und auch ruhig etwas heller als die Jeans, das schummelt Rundungen dazu.

Ein Wort zum Schluß:

Die Jeansindustrie gehört mit zu den schmutzigsten Industrien. Die Herstellung von Jeans gerade in asiatischen Ländern erfolgt unter miserabelsten Bedingungen für Mensch und Umwelt. Neue Jeans, genäht im Akkord zu Hungerlöhnen werden unter Einsatz von viel gesundheitsschädlicher Chemie auf gebraucht getrimmt. Daher: vorher gut überlegen, ob es (schon wieder) eine neue Jeans sein muss. Immer nur eine Jeans kaufen, wenn sie wirklich gut passt und gefällt. Am besten: sich für Jeans aus nachhaltiger und fairer Produktion entscheiden. Oder Second Hand kaufen. Ein Tipp: ich habe immer das Problem, daß mit die Jeans am Bund zu weit sind. Ein kleiner Abnäher beim Schneider wirkt hier Wunder, und kostet nicht viel. Dafür passen mir die Jeans danach perfekt.

Eine Auswahl nachhaltiger Jeans Labels:

Armed Angels* / Good Society / Kuychi / Nudie Jeans /  Wunderwerk* / Haikure / Feuervogl / Kings of Indigo / SEY / Stella McCartney / Filippa K / MUD Jeans (hier können Jeans sogar geleast werden!!) Eine Vielzahl der hier genannten Jeanslabels bekommt Ihr hier: Greenality – Online-Shop für Bio und Fair-Trade Kleidung* Keine ausgewiesenen Ökolabel, aber dennoch fair in der Herstellung ist das Hamburger Label „Closed“ und das italienische Label Jacob Cohen. Beide lassen in Italien produzieren.

Hintergrundinfo:

Spiegel TV: Der Preis der Blue Jeans

Inspiration*:

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Hallo ich bin Bettina. Ich habe dieses blog-magazine "styleandrespect" ins Leben gerufen, da für mich Stil und Respekt zusammengehören. Stilvoller Umgang miteinander beruht auf Respekt. Zu Respekt gehört auch, daß die Menschen, die meine Mode herstellen, eine existenzsichernde Bezahlung und einen sicheren und würdevollen Arbeitsplatz haben, Themen, vor denen die Fashion Industrie oft genug die Augen verschließt. Aber nicht alle, und um genau darum geht es in diesem blog. Ich lasse Euch teilhaben an meinen Entdeckungen aus den Bereichen Fashion, Beauty und Lifestyle, die für einen nachhaltigeren Weg stehen. Read More

Fachbegriffe, Materialien, Zeritifizierungen – erklärt im Sustainable Glossar
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