Mehr Respekt für Kleidung - und lange Freude an unseren Lieblingsstücken

Es ist fashion revolution week. Ein trauriges Datum jährt sich zum fünften Mal: der Einsturz des Gebäudekomplexes Rana Plaza mit mehreren Textilfabriken am 24. April 2013 und der damit einhergehende Tod von 1100 Textilarbeitern und mehreren tausend Verletzten. Wären Standards für Arbeitssicherheit und Fluchtwege eingehalten worden, hätte dieses Unglück vermieden werden können. Es zeigte sich, dass Textilgrössen und – ketten hier einfach nicht so genau hinschauen, Hauptsache, es wird schnell, viel und billig produziert.

Nach diesem Einsturz wurde die Fashion Revolution Initiative gegründet, um für eine gerechtere Fashionwelt zu kämpfen. Ein Teil der Kampagne ist der hashtag: #whomademyclothes, mit dem via Social Media große Modekonzerne gefragt werden, woher meine Kleidung kommt. Charakteristisch wurde hierbei, das Kleidungsstück verkehrt herum zu tragen, so dass das Herstellerlogo sichtbar wurde, um so der Forderung nach mehr Transparenz in den Lieferketten Nachdruck zu verleihen.

Jetzt ist also wieder fashion revolution week und somit ein wichtiger Anlass, das Augenmerk auf mehr Nachhaltigkeit und Respekt in der Modeindustrie zu legen. Im letzten Jahr hatte ich darüber geschrieben, wie sich unser Konsumverhalten ändert, wenn wir bei Mode auf mehr Fairness und Nachhaltigkeit achten.

Nachhaltigkeit und Respekt sind auch heute mein Thema. Wobei dieses Mal nicht die Menschen hinter dem Produkt, sondern dass Produkt selbst in dem Mittelpunkt rückt.

In Nordamerika werden jedes Jahr 1,5 Mio t in den Müll geworfen. Das entspricht einem Turm, der 30 mal höher ist als das Empire State Building.“ (Fashion Revolution: Loved clothes last)

buy less – choose well, wenn wir dieser Devise beim shoppen folgen, ist die Warscheinlichkeit groß, dass es echte Lieblingsstücke werden. Doch wie haben wir noch lange Freude an unseren neuen Lieblingsstücken?

 

care and repare  – was für Oma noch selbstverständlich war

Beim Einkauf schon auf die Qualität achten, dass ist der erste Schritt für den Beginn einer langen Freundschaft. Um welches Material handelt es sich, wie sind die Nähte gesetzt und verarbeitet, meist genügt schon ein kurzer Blick, um einen Eindruck der Langlebigkeit unseres neuen Lieblingsstücks zu bekommen.

 

Bei T-shirts kann ich gleich im Laden die Qualität checken: anprobieren und am Körper einmal in die Breite ziehen. Beobachten, ob und wie sich das T-shirt wieder in seine ursprüngliche Form zurückzieht. Experten nennen das den Rücksprungwert und empfehlen einen Anteil von mind. 5% Elasthan. Der zweite Schnellcheck gilt auch hier den Nähten: die sollten doppelt und gleichmäßig verwebt sein, sonst besteht die Gefahr, daß sie nach ein paar Mal schon reißen. Bei Jacken gilt der Blick neben den Nähten vor allem den Reissverschlüssen. Einen kaputten Reißverschluß auszutauschen kann oft genauso teuer werden wie eine neue Jacke. Regel: der Reißverschlüsse sollte von Anfang an gut schließen, ruhig ein paar Mal hoch und runter ziehen. Klemmt es jetzt schon, Finger weg. Dann noch einen genaueren Blick auf den Reißverschlüsse: die Zähne sollten einen Abstand von 1-2 mm haben und stumpf / abgerundet sein. Fühlt sich frau beim Fühltest an kleine Messerchen erinnert, Finger weg. Bei Jeans kann man die Farbechtheit auch gleich im Laden prüfen: einfach mit einem weißen Tuch ein paar mal darübereiben. Färbt etwas ab, ist die Jeans nicht ausreichend vorbehandelt. Qualitativ gute Jeans sind vier mal vorgewaschen.

 

Aber auch die richtige Pflege trägt entscheidend zur Lebensdauer unseres Lieblingsteils bei. Die Waschempfehlungen auf den Etiketten geben hier Hinweise. Das bedeuten sie einzelnen Symbole auf den Waschetiketten genau:

 

 

Generell gilt: es muss nicht immer gleich gewaschen werden. Ausgiebig lüften kann schon ausreichen, und auch ohne Balkon oder Garten kann man die Sachen einfach 15 min ins offene Fenster hängen. Gerade Schafwolle nimmt Schmutz und Gerüche nur schwer an und hat eine natürliche Selbstreinigungsfunktion: aufgenommene Gerüche werden an die Luft wieder abgesondert, und die Wolle riecht nach kurzer Zeit an frischer Luft wieder neutral und frisch. Jeans sollte man generell eher weniger als oft waschen. Irgendwo hatte ich auch mal den Satz von LevisChef himself gelesen – hört auf Jeans zu waschen! Auch die besten Jeans verlieren durch zu häufiges Waschen ihre Farbe und Form. Besser: lüften oder – ja – über Nacht ins Gefrierfach, schockfrosten tötet die Bakterien ab, die fürs „Müffeln“ verantwortlich sind. Dämpfen statt waschen geht auch – einfach beim Duschen mit ins Badezimmer hängen. Kleine Flecken können mit etwas Spülmittel und einer alten Zahnbürste behandelt werden. Und wenn die Form nach der Maschinenwäsche nicht mehr stimmt? Dann kurz (20 min) in den Trockner – bei niedriger Temperatur.

 

Und wenn nach dem Waschen noch hartnäckige Flecken bleiben?

Auch hier helfen die Kniffe aus Omas Trickkiste:

Wein, insbesondere Rotwein: hier hilft sofortiges salzen. T-Shirt gleich ausziehen, hinlegen und viel Salz auf den Weinfleck streuen. Mindestens 20 Min einziehen lassen, evtl nach der Hälfte das Salz ausschütteln und neues aufstreuen. Essensflecken, fettig und ölig: hier hilft erstmal Babypuder. Diesen so schnell wie möglich auf den Fleck geben und für ca 10 min einwirken lassen. Anschließend mit einer alten Zahnbürste schrubben. Ausschütteln. Danach mit etwas Spülmittel nachrubbelnd und unter kalten Wasser ausspülen. In die Waschmaschine geben. Tee und Kaffee: hier hilft (wie übrigens bei vielen anderen kleinen Schmutzproblemchen auch) eine Mischung aus 1/3 weißem Essig und 2/3 Wasser. Make Up: hier ist Rasierschaum eine gute Lösung, auftragen, einreiben, mit kaltem Wasser auswaschen. Evtl. wiederholen. Anschießend wie vorgeschrieben waschen. Tintenflecken: sind vor allem Eltern bekannt. Ich greife ja oft zum Tintenkiller, aber es geht auch anders: den betroffenen Teil über ein altes (Glas) Gefäß spannen, die Tintenseite dabei nach unten. Dann von oben Alkohol auf den Tintenfleck träufeln bis die Tinte nach unten abläuft und verblasst. Anschließend waschen. Generell: Essig ist in allen Haushaltsbelangen ein zuverlässiger Helfer. Pro Waschladung eine Tasse weißen Essig in das Weichspülerfach geben. Das hilft gegen Flecken, verleiht der Kleidung neuen Glanz, nimmt Flusen auf, ist wirksam gegen Bakterien, neutralisiert Gerüche und hält die Waschmaschine sauberer. Ausprobieren.

(Quelle: Loved clothes last, Fashion Revolution)

Und wenn doch mal was kaputtgeht? Ausbessern, und das auch mehrmals, war früher bei Oma noch selbstverständlich. Knöpfe annähen habe ich sogar noch im Kindergarten gelernt .. aber auch ein kleines Loch zu stopfen ist mit ein bischen Geduld zu schaffen, und bei Pinterest findet frau Anleitungen und Hilfestellung für fast jedes Handarbeitsproblem. Wer dennoch in solchen Dingen zwei linke Hände hat oder einfach nicht die Zeit, es finden sich mit ein bischen Suchen immer Menschen, die solche Arbeiten übernehmen. Unten findet Ihr einen link zu meiner Pinterestwand „care and repair“ – schaut doch mal vorbei.

Das Lieblingsstück ist immer noch top in Form, aber irgendwie hat sich meine Figur geändert?

Kommt vor im Laufe der Zeit .. und das muss nicht immer zu eng heißen, zu weit kommt genauso oft vor, ebenso daß es einfach nicht mehr sitzt. Manchmal, gerade bei zu eng gewordenen Kleidern, reicht es schon aus, die Naht aufzutrennen und sie etwas weiter außen nachzunähen. Für alle ohne Nähmaschine oder den beiden linken Händen ist der Gang zur nächsten Änderungsschneiderei eine gute Wahl. Professionelle Hände können das Lieblingsstück oft umändern, und das meist deutlich günstiger als ein Neukauf, zumal es ja auch genau dieses Teil so gar nicht mehr gibt …

Es gibt aber auch die Fälle, in denen man bzw frau die Farbe einfach nicht mehr mag, gefällt, noch nie gestanden hat. Hier kann der Versuch des Umfärbens helfen – heute lassen sich die allermeisten Stoffe färben, und Dunkelblau ist eine schön deckende Farbe, die eigentlich jeder Frau gut zu Gesicht steht. Achtung: oft sind die Fäden aus einem anderen Material und nehmen die Farbe anders oder gar nicht an. Gerade bei dunkelblau können sich dadurch aber interessante Kontraste ergeben.

Und wenn gar nichts mehr hilft?

Bitte trotzdem nicht in den Müll werfen. Gute Anlaufstellen sind Second Hand Geschäfte, Kleidertauschbörsen, Sozialkaufhäuser und Altkleidersammelstellen.

 

Der Fashion Revolution Day  gedenkt der Opfer des Einsturzes des Fabrikkomplexes Rana Plaza in Bangladesch am 24. April 2013, wo unter menschenunwürdigen Bedingungen Brands wie H&M, Primark, KIK, Hugo Boss ihre Kleidung produziert haben. Mit der Frage „Who made my clothes?“ fordert die globale Kampagne Fashion Revolution zur Auseinandersetzung mit der Herkunft unserer Bekleidung auf. Dadurch soll das Bewusstsein von ModekonsumentInnen für transparente Produktionsketten und faire Arbeitsbedingungen gesteigert und konventionelle Modemarken für einen fairen und ressourcenschonenden Produktionsprozess sensibilisiert werden.

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Hallo ich bin Bettina. Ich habe dieses blog-magazine "styleandrespect" ins Leben gerufen, da für mich Stil und Respekt zusammengehören. Stilvoller Umgang miteinander beruht auf Respekt. Zu Respekt gehört auch, daß die Menschen, die meine Mode herstellen, eine existenzsichernde Bezahlung und einen sicheren und würdevollen Arbeitsplatz haben, Themen, vor denen die Fashion Industrie oft genug die Augen verschließt. Aber nicht alle, und um genau darum geht es in diesem blog. Ich lasse Euch teilhaben an meinen Entdeckungen aus den Bereichen Fashion, Beauty und Lifestyle, die für einen nachhaltigeren Weg stehen. Read More

Fachbegriffe, Materialien, Zeritifizierungen – erklärt im Sustainable Glossar
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