Wieviel Wasser hängt eigentlich in unserem Kleiderschrank?

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Wieviel Wasser hängt eigentlich in unserem Kleiderschrank? Über diese Frage bin ich am diesjährigen Weltwassertag gestolpert. Und obwohl ich mich viel mit meiner Mode beschäftige, woher kommt sie, unter welchen Bedingungen wurde sie hergestellt etc., hatte ich mir diese Frage so nie gestellt. Und kannte diese schockierenden Fakten so nicht:

Erstmal ein paar schockierende Fakten:

  • In einem normalen Kleiderschrank hängen durchschnittlich 250 000 l Wasser. Das deckt den Trinkwasserbedarf eines Menschen für 350 (!!) Jahre.
  • Die Textilindustrie ist zweitgrößter Verbraucher und zweitgrößter Verschmutzer von Wasser nach der Ölindustrie.
  • Vom Anbau der Baumwolle bis zur fertigen Verarbeitung verbraucht ein Baumwollsweater 8000 l Wasser, eine Jeans sogar 12 000 l.
  • Alleine zum Wachsen und Gedeihen verbraucht Baumwolle 7000 bis 29000 l Wasser

Was hat also unser Kleidungskonsum hier mit den Wasserkrisen in den Produktionsländern zu tun? Oder auch mit unserem eigenen Trinkwasser? 

Traditionell wird bei uns sehr viel Kleidung aus Baumwolle hergestellt. Baumwolle (englisch cotton) ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt, ca. ein Drittel unserer heutigen Textilien besteht aus Baumwolle. Warum? Baumwolle ist eine Naturfaser mit hervorragenden Eigenschaften. Sie ist hautsympathisch, weich, strapazierfähig, atmungsaktiv und waschbar. Wo liegt also das Problem?

Problem liegt im Baumwollanbau

Baumwolle hat trotz tiefreichender Wurzeln einen sehr hohen Wasserbedarf. Da aber gleichzeitig, will man hohe Erträge erreichen, viel direktes Sonnenlicht notwendig ist, und auch möglichst keine Regentropfen in die sich langsam öffnenden Kapseln gelangen sollten, wird die Baumwolle hauptsächlich in den sommertrockenen Subtropen angebaut und stark künstlich bewässert. Mit teils katastrophalen Auswirkungen: z.B. hat der massive Baumwollanbau am Aralsees zum Absinken des Wasserpegels um 20m geführt. Die Folge: Schiffe in der Wüste und ein massiver Mangel an Trinkwasser.

Zudem sind großflächige Monokulturen in einer feucht-heißen Umgebung sehr anfällig und erfordern deshalb einen hohen Pestizideinsatz, darunter teilweise gefährliche Nervengifte. Aus wirtschaftlichen Gründen wird Baumwolle maschinell geerntet. Das geht nicht ohne ein vorheriges Entlauben der Baumwollpflanzen mit Hilfe von chemischen Entlaubungsmitteln.

Zusätzliches Wasser wird in der Weiterverarbeitung der Baumwolle zu Mode und durch lange Transportwege verbraucht. Und zusätzlich hier bei uns durch die Pflege der Textilien, wie z.B. waschen.

Und es wird immer mehr Mode in immer kürzeren Abständen hergestellt. Diese sogenannte Fast Fashion ist Mode, die immer mehr Kollektionen pro Jahr umfasst, oftmals Laufstegtrends innerhalb von Wochen kopiert und auf den Markt bringt. Das heißt, die Produktion verkürzt sich von Monaten auf einige Wochen. Dieser hohe Produktionsdruck hat äußerst knappe Löhne und unverantwortliche Praktiken zur Folge. Fast Fashion wird nun vorrangig in Ländern hergestellt, die folgende Kennzeichen gemeinsam haben:

  • Schwache Regulierungsbehörden und deswegen
  • Keine Umweltauflagen und zudem
  • mangelnde natürliche Wasserressourcen

was dazu führt, daß das durch die Textilproduktion mit Farbstoffresten, Weichmachern, Pestiziden und anderen Chemikalien verschmutze Wasser meist ungefiltert ins Grundwasser gelangt und somit das Trinkwasser für Millionen von Menschen verschmutzt. In China, einem der größten Fast Fashion Länder, sind über 320 Mio Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser. Über 60% der Trinkwasserreserven in China sind verschmutzt. (Greenpeace).

Und unser eigenes Wasser? Wir hier in Deutschland haben in der Regel wenig mit Trinkwasserknappheit zu tun. Vertrauensvoll entnehmen wir sauberes Wasser aus dem Wasserhahn, zum Trinken, Duschen, Waschen etc. Und tragen gleichzeitig durch den Konsum von Fast Fashion (billig und unter Zeitdruck hergestellter Mode in schlechter Qualität) dazu bei, daß bei jedem Waschgang giftige Bestandteile der Textilfasern in den Wasserkreislauf gelangen.

OK, und was ist jetzt die Lösung?

Liegt die Lösung in weniger Konsum? Oder gibt es noch andere Lösungen?

Bewusster shoppen: Bewusster Konsum bedeutet, sich mehr Gedanken zu machen. Gefällt mir das Teil wirklich? Passt es zu mir, meinem Typ, meinem Kleidungsstil? Ist die Qualität gut? Wird es ein Lieblingsstück oder ein immer passsendes Basic werden? Und auch: woher kommt das Teil? Wo und auch unter welchen Bedingungen wurde es hergestellt? Und brauche ich dieses Teil wirklich, jetzt?

Die Mode erfindet sich nicht jede Saison und jede Kollektion neu, auch wenn uns das oft glauben gemacht werden soll. Vieles kommt immer wieder, und vieles kommt nie aus der Mode. Eine Investition in diese sogenannten Klassiker lohnt also immer, das Geld für eine gute und nachhaltige Qualität ist hier gut investiert. Beispiele: ein Trenchcoat, ein dunkelblauer Blazer, schwarze und dunkelblaue Pullover mit V- und Rundhalsausschnitt, gut sitzende Jeans, weisse T-shirts, weisse Blusen, ein Wintermantel in dunkel oder Karamell, einen klassischen Schal und ein Seidentuch, ein dunkler klassischer Rock in der für mich optimalen (also vorteilhaftesten) Länge, die Liste lässt sich fortführen. Einen Überblick über die Klassiker der stilbewussten Französin findet Ihr auch hier.

Second Hand Läden sind immer eine gute Anlaufstelle. Sie kommen heute durchaus schick als Vintage-Läden daher und brauchen sich nicht hinter den hippen Boutiquen zu verstecken. Mit etwas Glück und Geduld kann mir hier tolle Schnäppchen machen, gerade was Klassiker angeht.

Und also ganz auf Baumwolle verzichten? Nein, zuviele Menschen sind von der Baumwolle abhängig und es hängen sehr viele Arbeitsplätze an der Baumwolle. Aber bitte Biobaumwolle. Die wird nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus produziert. Also: kein Einsatz von chemischen Pestiziden und Düngemitteln. Durch eine natürliche Düngung kann der Boden Wasser besser speichern. Die Bauern halten einen Fruchtwechsel ein, das schont die Böden und beugt Schädlingen vor. Biobaumwolle wird von Hand geerntet.

Zudem gibt es zur wasserintensiven Baumwolle durchaus Alternativen. Seit meinem ersten Bambus-T-shirt bin ich ein absoluter Fan. Bambus ist als Material fast noch weicher als Baumwolle und hat ähnliche Eigenschaften: Bambusfastern haben eine offene Struktur und nehmen Schweiß noch besser auf als Baumwolle. Zudem kühlt Bambus im Sommer und wärmt im Winter. Bambus wächst sehr schnell – bis zu einem Meter pro Tag. Bambus stellt keine besonderen Ansprüche an den Boden: er kommt mit wenig Wasser aus und kann auch auf nährstoffarmen Böden angebaut werden.  Es sind keine Insektizide, Pestizide und Düngemittel erforderlich. Allerdings: Bambusfasern für Textilien sind Viskosefasern, die aus dem Holz gewonnen werden. Doch dies geht leider auch nicht ohne Chemie: die Basis Zellulose muss von den anderen Holzbegleitstoffen wie Lignin, Harz, Wachs etc getrennt werden. Ebenso erfordert die Faserherstellung in weiteren Verarbeitungsschritten den Einsatz weiterer Chemikalien wie z.B. Schwefelkohlenstoff.

Und was wäre, wenn ein Sweater nicht nur weniger Wasser verbraucht, sondern auch noch Wasser abgibt?

Utopie? Nein, bald möglich.

Der Ex-Zara Mitarbeiter Ali Azimi gründet mit seinem eigenen Label Blue Ben die weltweit erste Brand, die Wasser gibt statt nur zu nehmen. Mit der ersten Sweater-Kollektion –Bangladesch– startet Blue Ben erstmals mit einem Material, das nahezu wasserneutral produziert wird. Der Stoff ist ein Modal-Hanf Gewebe, das komplett aus Europa stammt und basierend auf den Recherchen von Ali Azimi und seinem Team eigens in Portugal entwickelt wird. Blue Ben wird über seine NGO mit jedem verkauften Pullover Reparationszahlungen an Wasserprojekte in Baumwolle anbauenden Ländern leisten und sie so dabei unterstützen ihre Wasserreserven wieder aufzubereiten. Die crowdfunding Kampagne für dieses Projekt ist gerade erfolgreich abgeschlossen worden.

Und was machen wir mit der Kleidung, die wir haben?

Ganz klar weiter tragen. Um zu verhindern, daß beim Waschen giftige Fasern oder Mikroplastikpartikel (bei Outdoor-Funktionskleidung) in die Umwelt gelangt, gibt es jetzt den GUPPYFRIEND Waschbeutel. In diesem Beutel steckt man die Wäsche, und dann zusammen in die Maschine. Kleinste Kunstfaserbruchstücke sammeln sich beim Waschen in den Ecken und im Saum des Beutels. Zudem verliert die Kleidung generell weniger Fasern, was die Lebensdauer verlängert.

 

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Hallo ich bin Bettina. Ich habe dieses blog-magazine "styleandrespect" ins Leben gerufen, da für mich Stil und Respekt zusammengehören. Stilvoller Umgang miteinander beruht auf Respekt. Zu Respekt gehört auch, daß die Menschen, die meine Mode herstellen, eine existenzsichernde Bezahlung und einen sicheren und würdevollen Arbeitsplatz haben, Themen, vor denen die Fashion Industrie oft genug die Augen verschließt. Aber nicht alle, und um genau darum geht es in diesem blog. Ich lasse Euch teilhaben an meinen Entdeckungen aus den Bereichen Fashion, Beauty und Lifestyle, die für einen nachhaltigeren Weg stehen. Read More

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